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Ernährung

Die Ernährung wird oft als einer der Haupteinflüsse auf unsere Gesundheit gesehen. Es wird jedoch oft übersehen, dass es genauso wichtig sein kann, wann wir essen, wie das, was wir essen. Forscher fanden heraus, dass unser zirkadianer Rhythmus eng mit unserem Stoffwechsel verknüpft ist, was die Tür zu einem ganz neuen Forschungsgebiet öffnet: Chrononutrition.

Das Grundprinzip der Chrononutrition: Unser Körper will unser Verhalten tageszeitabhängig optimieren. Wenn unsere Essens- und Fastenzeiten mit den uhrzeitgesteuerten Stoffwechselveränderungen in Einklang gebracht werden, kann unsere Verdauung verbessert werden. Eine angepasste Ernährung, also die Abstimmung, wann wir Energie aufnehmen und wann wir sie tatsächlich verbrauchen, hilft, einen gesunden zirkadianen Rhythmus aufrechtzuerhalten.[1] Andernfalls reagieren unsere Organe recht schnell auf eine zeitlich verschobene Nahrungsaufnahme, indem sie ihren Stoffwechsel verändern.

Ob unser primärer zirkadianer Rhythmus im Gehirn (im Nucleus Superchiasmaticus) durch die Nahrungsaufnahme in irgendeiner Weise verändert werden kann, ist noch Gegenstand der Forschung. In einer Studie aßen gesunde junge Männer nur am Morgen vs. nur am Abend, und der zirkadiane Rhythmus (Körperkerntemperatur und Herzfrequenz) der ersten Gruppe war nach drei Tagen fortgeschritten.[2]


Die Beziehung Ernährung – circadianer Rhythmus ist nicht unidirektional: Umgekehrt beeinflusst der zirkadiane Rhythmus auch stark unsere Essgewohnheiten. Die Magenentleerung und die Geschwindigkeit der Stauung erreichen in den Morgenstunden ihren Höhepunkt.[3] Mäuse, die in einer Ruhephase gefüttert wurden, nahmen mehr an Gewicht zu als solche, die in einer aktiven Phase gefüttert wurden.[4] Andere Studien an Tieren haben gezeigt, dass eine Fütterung zur falschen Zeit sogar zur Entwicklung chronischer Krankheiten oder zu geringerer Fruchtbarkeit beitragen kann. Diese negativen Auswirkungen können durch einen festen Fütterungsplan minimiert werden. Es hat sich gezeigt, dass das Essen nur zu eingeschränkten Zeiten z. B. bei Fettleibigkeit helfen kann – so lässt sich der Erfolg des Trends 16:8 (16 Stunden fasten, innerhalb von 8 Stunden am Tag essen) tatsächlich mit der Chronobiologie erklären.[5]

Es gibt mehrere Substanzen, die nachweislich auf den zirkadianen Rhythmus einwirken:

  • Alkohol scheint den zirkadianen Rhythmus bei Menschen und anderen Tieren besonders zu stören.[6]
  • Koffein verzögert zwar unsere innere Uhr, wenn es abends konsumiert wird, kann aber z. B. bei einem Jetlag die Synchronisation auf neue Zeitzonen beschleunigen.7 Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass zwei Tassen Kaffee am Morgen bei zirkadianen Störungen helfen könnten: In einer Studie mit blinden Teilnehmern, die eine nicht 24-stündige innere Uhr hatten, reichte Koffein nicht aus, um die zirkadianen Rhythmen mitzureißen.[8]
  • Spezifische Verbindungen und ihre Auswirkungen auf den zirkadianen Rhythmus werden allmählich erforscht. Einige Studien zeigen bereits vielversprechende Ergebnisse, zum Beispiel wurde eine Aminosäure namens L-Serin gefunden, die die Wirkung von hellem Licht am Morgen verstärkt.[9]

Referenzen

[1] Chaix A, Zarrinpar A, Miu P, et al. (2014) Time-restricted feeding is a preventative and therapeutic intervention against diverse nutritional challenges. Cell Metab 20, 991–1005.

[2] Krauchi K, Cajochen C, Werth E, et al. (2002) Alteration of internal circadian phase relationships after morning versus evening carbohydrate-rich meals in humans. J Biol Rhythms 17, 364–376.

[3] Buhr ED, Yoo SH & Takahashi JS (2010) Temperature as a universal resetting cue for mammalian circadian oscillators. Science 330, 379–385.

[4] Arble DM, Bass J, Laposky AD, et al. (2009) Circadian timing of food intake contributes to weight gain. Obesity (Silver Spring) 17, 2100–2102.

[5] Oike, Hideaki, Oishi, Katsutaka, and Kobori, Masuko. “Nutrients, Clock Genes, and Chrononutrition.” Current Nutrition Reports 3.3 (2014): 204-12. Web.

[6] Huang MC, Ho CW, Chen CH, et al. (2010) Reduced expression of circadian clock genes in male alcoholic patients. Alcohol Clin Exp Res 34, 1899–1904.

[7] Burke TM, Markwald RR, McHill AW, et al. (2015) Effects of caffeine on the human circadian clock in vivo and in vitro. Sci Transl Med 7, 305ra146.

[8] St Hilaire MA & Lockley SW (2015) Caffeine does not entrain the circadian clock but improves daytime alertness in blind patients with non-24-hour rhythms. Sleep Med 16, 800–804.

[9] Shinobu Yasuo et al, L-Serine Enhances Light-Induced Circadian Phase Resetting in Mice and Humans,  Obesity (2009) 17, 2100–2102. doi:10.1038/oby.2009.264

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